Ford im Herbst 2016

Viel Neues bei der US-Marke

Als großen SUV hat Ford das Modell Edge für Europa adaptiert. Er ist auch als opulente Vignale-Ausführung zu bekommen. Foto: Ford.

Über 30 Millionen Fahrzeuge hat Ford in mehr als 90 Jahren in Deutschland gebaut. Die beiden Standorte in Köln und Saarlouis sind auch in diesem Jahr wieder gut unterwegs. Zuletzt wurden mehr als 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Neben der Produktion für den europäischen Markt ist Deutschland für den Konzern aber auch als internationaler Entwicklungsstandort von herausragender Bedeutung.

 

Bei anderen Herstellern mag mehr Lametta sein, doch Ford sieht sich selbst gut aufgestellt. „Wir werden bis 2020 rund 4,5 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von E-Mobilen investieren“, sagte jetzt Wolfgang Kopplin, Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford Werke GmbH. Mit rund 90 000 abgesetzten Fahrzeugen sieht sich Ford in den USA als Nummer zwei bei den Anbietern von Hybriden – in Europa sorgen eher kleine Motoren für Erfolg. So ist der 1,0 Liter auch im Jahr 2016 wieder „Engine of the Year“ als bester Motor dieser Klasse – wie schon seit 2012.

 

Der US-Konzern scheint auf einem guten Weg zu sein. Mit 10,8 Milliarden Dollar Gewinn vor Steuern bei einem Umsatz von rund 150 Milliarden sieht sich Ford als profitabelster Volumenhersteller der Welt. „Wir haben eine Marge von 8,7 Prozent erzielt, entsprechend 1650 Euro Gewinn pro Auto“, sagt Kopplin. Dagegen lautet eine aktuelle Meldung: „Im dritten Quartal ist der Gewinn von Ford eingebrochen. Der US-amerikanische Autobauer verbuchte mit knapp einer Milliarde Dollar einen um mehr als 50 Prozent geringeren Überschuss. Die Erlöse gingen um sechs Prozent auf 35,9 Milliarden Dollar zurück. Auch der weltweite Absatz ist leicht gesunken.“

Mit dem modernisierten "Gesicht" wird der Ford Kuga sicher wieterhin ein Bestseller im Programm der Marke bleiben. Foto: Ford
Mit dem modernisierten „Gesicht“ wird der Ford Kuga sicher weiterhin ein Bestseller im Programm der Marke bleiben. Foto: Ford

Zu den positiven Berichten beigetragen hat auch der Verkauf in Deutschland, der in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres besser als im Vorjahr lief. So erreicht die Marke einen Marktanteil von 7,8 Prozent und ist schneller gewachsen als der Markt. Zudem sind die verkauften Autos höherwertig als früher. Mondeo, S-Max und Galaxy werden gerne mit Top-Ausstattungen und großen Motoren an den Käufer gebracht. Da bleibt dann auch mehr in der Kasse.

 

Die positive Marktentwicklung gilt auch für die Nutzfahrzeuge der Marke, wo der Marktanteil mit rund 13 Prozent im ersten Halbjahr 2016 für die Marktführerschaft reichen soll. Besonders gut lief demnach der Ranger mit einem gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent höheren Absatz. Bei den Pickups liegt der Marktanteil von Ford sogar bei 34 Prozent. Neue Wettbewerber wie Mercedes-Benz werden versuchen, diesen Anteil zu verringern.

 

Größere Verbreitung als Pickups finden hierzulande immer noch kompakte Fahrzeuge. Und da hat Ford den KA zum KA+ weiterentwickelt. Nach rund 1,9 Millionen Ka, die in 20 Jahren verkauft wurden, nutzt der neue nun die Plattform des B-Max, Fiesta und Eco Plus, ist deutlich geräumiger und größer, aber ab 9900 Euro inklusive Radio immer noch günstig.

Der neue Ford Ka+ zeigt sich mit fast vier Metern Länge deutlich gewachsen im Vergleich zum Vorgänger. Foto: Ford.
Der neue Ford Ka+ zeigt sich mit fast vier Metern Länge deutlich gewachsen im Vergleich zum Vorgänger. Foto: Ford.

 

Auch technologisch braucht sich der Ka+ nicht zu verstecken. So hat sein ESP einen integrierten Berganfahrassistenten oder den programmierbaren „my key“, mit dem sich unterschiedliche Profile für abweichende Nutzer einstellen lassen.

 

Im trendigen Segment der SUVs ist Ford ebenfalls für weiteres Wachstum gut aufgestellt. Mit den Modellen Eco Sport, Kuga und Edge gibt es drei Modelle von kompakt bis groß. Der Kuga erhielt unter anderem eine neue Front und sieht besser aus. Der große Edge, Bestseller in den USA, wurde für den europäischen Markt adaptiert. Preislich startet er hier ab 42 000 Euro.

 

Bei einer ersten Probefahrt macht er einen sehr sympathischen Eindruck: Das große Fahrzeug lässt sich sehr agil bewegen, ist relativ übersichtlich, überzeugt mit einem komfortabel aber keineswegs schwammig abgestimmten Fahrwerk und kann auch Fahrdynamik. Schon der kleinere Dieselmotor leistet 180 PS, was für guten Vortrieb bei einem Normverbrauch von unter sechs Litern reicht. Dank active noise control bleibt es im Innenraum erfreulich leise. Nur wenn der Motor beim Beschleunigen hochgejubelt wird, macht er sich akustisch wirklich bemerkbar. Die stärkere Version hat übrigens 210 PS.

Als großen SUV hat Ford das Modell Edge für Europa adaptiert. Er istr auch als opulente Vignale-Ausführung zu bekommen. Foto: Ford.
Als großen SUV hat Ford das Modell Edge für Europa adaptiert. Er ist auch als opulente Vignale-Ausführung zu bekommen. Foto: Ford.

Der Kuga bekommt anstelle des bisherigen 2,0 Liter TDCI nun einen neuen Motor mit 1,5 Litern Hubraum und ist damit ab 23 300 Euro erhältlich. Das Sprachsteuerungssystem Sync ist nun von der neuesten Version und heißt Sync3, bietet außerdem einen Touchscreen und kommt mit Applink noch komfortabler daher. Damit können die Hände fast immer am Lenkrad bleiben, weil die Sprachsteuerung das erübrigt.

 

Sync3 ist nun für alle Modelle ebenso verfügbar wie die sportliche ST-Line. Bei dieser Ausstattungsvariante sind Fahrwerk, Aluräder, Sportsitze und Lederlenkrad impliziert. Nicht alle wollen die Leistung der ST-Modelle, weshalb es die ST-Line eben auf die Ausstattungsmerkmale reduziert. Der Fiesta mit ST-Line ist ab 17 150 Euro zu bekommen. Als echter ST 200 leistet er bis zu 215 PS und ist damit bis zu 230 km/h schnell, in 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h gesprintet und ab 20 640 Euro erhältlich.

Der Ford Fiesta ST hat ein ausgeprägt sportliches Gestühl und bis zu 215 PS Leistung. Foto: Ford.
Der Ford Fiesta ST hat ein ausgeprägt sportliches Gestühl und bis zu 215 PS Leistung. Foto: Ford.

Neben der ST-Line setzt Ford verstärkt auf italienisches Design. Hier steht der renommierte Name Vignale für opulent ausgestattete Modelle von Mondeo, S-Max und Edge. Ein Kuga Vignale wird folgen. Die Ausstattung auf höchstem Niveau soll für Extra-Luxus im Alltag sorgen.

 

Mit geplanten 300 Ford Stores in Europa verfeinert Ford zudem sein Vertriebskonzept. Allein in Deutschland sollen bis Mitte 2017 immerhin 73 solcherart gestalteter Verkaufsräume in Betrieb gehen. Noch etwas länger dauert es, bis Ford mit vollautonom fahrenden Modellen ins Marktgeschehen eingreifen will. Ab 2021 will der Hersteller damit in Serie gehen und parallel versuchen, ein Mobilitäts-Anbieter aktuellster Ausprägung zu werden.

 

So scheint das Unternehmen den Blick zielgerichtet auf die Zukunft zu werfen. Schwieriger scheint das Thema „Historie“ zu sein. Zwar konnte jetzt mit dem Fiesta das 40jährige Modelljubiläum gefeiert werden, doch es gibt auch eine schlechte Nachricht, die aber das Unternehmen selbst nicht zu verantworten hat: Das bekannte Ford-Museum Den Hartogh in Hillegom/ NL soll am 1. Detember geschlossen werden. Die einmalige Collection mit über 200 Fahrzeugen aller Epochen steht dabei zur Disposition. Weitere Infos dazu gibt es unter www.FordMuseum.nl.

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