Über 300 km/h als natürliches Habitat

Der Falken-Porsche im Einsatz beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring 2016. Foto: Gruppe C

Immer populärer wird die Reifenmarke Falken auch in Deutschland. Mit Motorsport findet der Hersteller nicht nur eine breite Öffentlichkeit, sondern erhält auch Impulse für die Entwicklung und Technik der Serienreifen. Bei der am letzten Mai-Wochenende durchgeführten jüngsten Auflage der 24 Stunden auf der Eifelrennstrecke platzierte sich der Renner des Reifenherstellers als bester Porsche auf dem neunten Gesamtrang. Das ist auch ein Qualitätsbeweis für die Reifen.

Erst Ende des Jahres 2013 wurde das Unternehmen gegründet: SRI Europe GmbH mit Sitz in Hanau ist zusammen mit der Vertriebsorganisation Falken Tyre Europe GmbH aus Offenbach eine 100prozentige Tochter des japanischen Reifenherstellers Sumitomo Rubber Industries. Sumitomo setzt mit Reifenprodukten weltweit rund fünf Milliarden Euro um und ist damit in den Top Ten der weltgrößten Hersteller. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von SRI Europe, Dr. Bernd Löwenhaupt, dem bis 2014 langjährigen Leiter der Forschung und Entwicklung eines Wettbewerbers von Falken.

Der Falken-Porsche im Einsatz beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring 2016. Foto: Gruppe C
Der Falken-Porsche im Einsatz beim 24 Stunden-Rennen am Nürburgring 2016. Foto: Gruppe C

Warum beteiligen sich so viele Reifenhersteller im Motorsport, speziell bei den 24 Stunden am Nürburgring?

Im Kern dient das Engagement im Motorsport dazu, die Reifen-Performance zu demonstrieren, und Hochleistungsreifen, die bis zu Geschwindigkeiten von über 300 km/h zugelassen sind, stammen direkt aus dem Motorsport. Motorsport ist gewissermaßen ihr natürliches Habitat. Und vor allem das 24h-Rennen auf dem Nürburgring gilt als eines der härtesten Rennen der Welt – hier sind es nicht nur die Autos, die demonstrieren, zu welchen Höchstleistungen sie fähig sind. Natürlich werden dadurch auch Erfahrungen gesammelt, die in die Serienentwicklung mit einfließen.

Gibt es tatsächlich einen Technologietransfer vom Motorsport in die Serie?

Die Reifeningenieure von FALKEN sind stets vor Ort, wenn das FALKEN Motorsports-Team mit seinem Porsche GT3R bei Langstreckenrennen auf dem Nürburgring an den Start geht. Fast 900 Reifen werden dem Porsche pro Saison aufgezogen, nach jedem Stint, das sind mit acht Runden Nordschleife und Grand-Prix-Strecke am Nürburgring etwas mehr als 200 km, geht es zum Reifenwechsel. Bei jedem Rennen werden umfangreiche Reifentests durchgeführt und verschiedenste Reifenkonstruktionen und Mischungen zu Testzwecken auf die Strecke gebracht. So können die Ingenieure schon vor Ort erste Analysen erstellen und direktes Feedback von den Fahrern bekommen. Unter anderem bei den VLN-Rennen, dem 24h-Rennen und der Porsche Cup Challenge Japan testet FALKEN die Rennreifen in den Größen 300/660R18 für die Frontachse und 310/710R18 für die Hinterachse auf dem Porsche 911GT3R. Diese auf den Strecken gewonnenen Informationen fließen dann in die Serien-Reifenentwicklung bei FALKEN ein.
Die Erfahrungen auf den Rennstrecken standen zum Beispiel bei der Entwicklung des Ultra-High-Performance Reifens AZENIS FK453 Pate: Seit 2012 begeistert der UHP-Reifen die sportlichen Fahrer. Für die FALKEN Ingenieure standen hier Grip und Bremswerte auf trockener und nasser Fahrbahn ebenso im Vordergrund wie Stabilität bei hohem Tempo und die Reduktion der Abroll- und Vorbeifahrgeräusche. Der Reifen hat sogar die Tester der Autozeitung überzeugt, die ihm 2014 das Prädikat „Sehr empfehlenswert“ verliehen. Das neueste Flaggschiff aus dem FALKEN UHP-Portfolio, der AZENIS FK510, ist im Frühjahr 2016 auf den Markt gekommen und hat ebenfalls die Tester der Autozeitung überzeugt, die den Reifen wieder mit dem Prädikat „Sehr empfehlenswert“ auszeichnen. Ein besonderes Lob gab es für die hervorragenden Aquaplaning-Eigenschaften.

Warum sind Reifen im Motorsport und Alltag wichtig für Performance und Sicherheit?

Reifen übertragen, auf einer Fläche von ca. vier Postkarten alle längs- und querdynamischen Kräfte des Fahrzeugs auf die Straße, und das bei allen Witterungsbedingungen und Temperaturen.

Welche Erkenntnisse oder Technologien haben den Weg aus dem Motorsport in die Falken-Serienreifen gefunden?

Es gibt nicht nur den Weg vom Motorsport in die Serie, sondern auch den umgekehrten. Im Motorsport geht es um Fahrstabilität, bestes Bremsverhalten und Leichtbau. Dadurch wurden neue Materialen entwickelt und erprobt, wie zum Beispiel Nylonbandagen, hochfeste Kevlarfasern und spezielle Verstärkungen in der Seitenwand der Reifen. Auch High-Grip-Mischungen stammen aus dem Motorsport für die Serie. Umgekehrt wurden Silicamischungen in der Serienbereifung zur Verbesserung des Rollwiderstandes und der Nasshaftung eingeführt, die später auch im Laufstreifen der Regenreifen beim Motorsport erfolgreich benutzt wurden. 1997 haben wir ein V-förmiges Profil für die Serie entwickelt, welches sehr gute Wasserverdrängung aufzeigte, und noch heute werden solche Profiltypen im Motorsport bei Regen genutzt. Falken gehört zur Sumitomo Group, einer der größten Konzerne weltweit. Dadurch haben wir den wichtigen Vorteil, dass unsere Mischungsentwicklung in enger Zusammenarbeit mit den Chemikern der Sumitomo Chemical Group erfolgt und dadurch der Stand der neuesten Forschung direkt in maßgeschneiderte Polymere umgesetzt werden kann und die Verbindung von Motorsport und Serie die Vorgaben liefert.

Konnten sie seit Ihrem Eintritt in das Unternehmen Anfang 2015 Einfluss auf Produkte nehmen, die bereits im Handel sind?

Die Produkte, die jetzt in den Handel kommen, wie der FK 510 wurde mit Unterstützung von unserem Team entwickelt und vor allem erprobt. Die europäischen Reifen-Anforderungen sind sehr verschieden zu denen in Japan, somit ist es wichtig, dass die Erfahrungen von unserem Team mit einfließen. Zum Beispiel hat Hochgeschwindigkeitsfestigkeit und -stabilität natürlich auf deutschen Autobahnen einen ganz anderen Stellenwert als in Japan, auch das Nass- und Aquaplaningverhalten ist deutlich verschieden.

Produkt mit Motorsport-Genen: Falken FK510. Foto: Falken.
Produkt mit Motorsport-Genen: Falken Azenis FK510. Foto: Falken.

Für welche Art von Fahrzeugen gibt es Reifen von Falken?

FALKEN bietet als Vollsortimenter für nahezu alle Fahrzeuge Reifen: PKW, SUV, 4×4, Leicht-LKW, LKW und Bus. Im Aftermarket und in der OE-Ausstattung

Für welche Einsätze sind die Reifen von Falken geeignet?

Wir bieten sowohl Sommer- als auch Winterreifen aber auch Ganzjahresreifen (AllSeason) an.

Auf welchen Pkw-Marken werden Reifen von Falken in der Erstausrüstung verbaut?

Große Automarken vertrauen auf die Qualität der FALKEN Reifen. So setzt zum Beispiel die Marke Volkswagen auf die guten Allroundeigenschaften des SINCERA SN832 ECORUN. Auch das Modelljahr 2016 des Volkswagen up! wird werkseitig mit diesem FALKEN-Reifen bestückt. Nicht nur der Volkswagen up! auch der Volkswagen Passat (ZIEX ZE914A ECORUN) und der Volkswagen Polo (EUROWINTER HS449 60 SERIE) werden werkseitig mit FALKEN-Reifen bestückt. Darüber hinaus wird der SEAT ATECA werkseitig mit den FALKEN-Reifen AZENIS FK453CC und ZIEX ZE914 bestückt. Darüber hinaus werden Autos von Chrysler, Jeep, Mazda, Toyota und Suzuki ab Werk mit FALKEN-Reifen ausgerüstet und wir entwickeln OE-Reifen für neue Modelle deutscher Premiumhersteller.

Warum ist die Erstausrüstung so wichtig, obwohl die Gewinnmargen eher bescheiden ausfallen?
Die Entwicklung der Reifen wird von den Fahrzeugherstellern maßgeblich beeinflusst. Ein aktueller Golf hat keine 155 R 13 79 S Bereifung mehr wie ein Golf I. Diese Reifenvielfalt und diese Anforderungen auch an Winter- und All Season-Reifen wurden von den Fahrzeugproduzenten geprägt. Silicamischungen, Runflat-Reifen, Reifen mir geringem Rollwiderstand, den wirübrigens  in den letzten Jahren halbiert haben, kamen aus dem Entwicklungsauftrag der Fahrzeughersteller. Das Labelling, welches seit 2012 gültig ist, gibt natürlich nur einen Bruchteil der Eigenschaften wieder und kann nicht als Alternative angesehen werden. Natürlich ist der Entwicklungsaufwand enorm und die Marge klein, doch es hilft uns, dass wir für die Premiummarken markierte OE-Reifen anbieten und der Kunde, der mit seiner Erstbereifung zufrieden ist, wieder nach diese Reifen verlangt.

Welche Pläne hat das Unternehmen hinsichtlich Expansion?

Wir möchten bis zum Jahr 2020 fünf Prozent Marktanteil in Europa erreichen.

Wird es eine Zweitmarke geben, etwa im Quality-/ Budget-Segment zur Abstützung des Premium-Status von Falken?

Wir denken gerade intensiv über eine Zweitmarke nach.

Wo werden die Falken-Reifen hergestellt?

Produziert werden FALKEN-Reifen in Japan, Thailand, Indonesien, Brasilien, Südafrika, China, USA und seit 2015 auch in Europa, in der Türkei.

Wo außer im Motorsport und Automobil-affinen Umfeld tritt Falken öffentlich in Erscheinung?

Die Reifenmarke FALKEN ist seit dem Start der der Bundesligasaison 2015/2016 Premium-Partner des FC Ingolstadt 04 im Audi Sportpark. Die Wahl fiel bewusst auf den FC Ingolstadt 04: Hier treffen zwei junge und aufstrebende Marken aufeinander, die beide auf einem erfolgreichen Weg nach ganz oben sind. FALKEN profitiert deutlich von der Kombination aus Bandenwerbung, der Partnerschaft mit dem FCI04, dem Presenting der Fußballsendung „Hattrick“ auf Sport1 und anderen Fußball-Aktivitäten sowie der spielerischen Verknüpfung von Fußball und Motorsport. Sie sorgt für eine entsprechende Wahrnehmung und Verankerung der Marke FALKEN in der Zielgruppe, die jung, leidenschaftlich, ehrlich und modern ist.

Darüber hinaus arbeiten wir sehr erfolgreich mit internationalen Drift-Teams zusammen, so zum Beispiel mit dem European Drift-Champion James Deane, mit den sehr erfolgreichen Drift Brothers sowie mit einer der wenigen weiblichen Drifterinnen Karolina Pilarczyk. Ferner engagieren wir uns bei den Red Bull Air Race Meisterschaften, bei denen FALKEN zum Teil mit einem eigenen Air-Race Flugzeug und Piloten am Start ist. In England unterstützen wir außerdem einen Rugby-Club. In den USA sind wir mit einem Club der Major League Baseball vertreten.

Dr. Bernd Löwenhaupt. Foto: Falken.
Dr. Bernd Löwenhaupt, Geschäftsführer von SRI Europe . Foto: Falken.

Bitte verraten Sie ein paar private Details: Alter, Familienstand, Hobby, Fahrzeugvorliebe…


Ich bin 58 Jahre alt, verheiratet und spiele häufig und gerne Tennis, gelegentlich, wenn es die Zeit zulässt, auch Golf oder bin mit dem Mountainbike unterwegs. Ich interessiere mich sehr für Fahrzeuge und deren Technologie und habe eine Vorliebe für Porsche, Audi und Jaguar, die ich immer wieder gerne fahre.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen