„Engine of the Year-Award“ für den 2,7-Liter Sechszylinder-Boxermotor

Der Motor des Jahres ist der 2,7 Liter Sechszylinder Boxermotor, der im Boxster und Cayman eingebaut wird. (Abbildung: Porsche)
Der Motor des Jahres ist der 2,7 Liter Sechszylinder Boxermotor, der im Boxster und Cayman eingebaut wird. (Abbildung: Porsche)

Erneut ist ein Sechszylinder-Boxermotor von Porsche mit dem Titel „Engine of the Year“ ausgezeichnet worden. In diesem Jahr vergab die internationale Jury den renommierten Preis in der Klasse von 2,5 bis drei Liter Hubraum an den 2,7-Liter-Motor, der in Boxster und Cayman eingesetzt wird.

„Ein brillanter Motor für ein brillantes Auto. Dieses Porsche-Herz verbindet Performance und sportliche Herkunft mit beeindruckender Kraftstoff-Effizienz“, begründet Dean Slavnich vom „Engine Technology International Magazine“ die Entscheidung. Die britische Fachzeitschrift verleiht seit 15 Jahren die Auszeichnung für herausragende Motoren. Die Jury lobte darüber hinaus Elastizität und Ansprechverhalten, Performance und Laufruhe des hubraumkleinsten Boxermotors von Porsche.

Der Motor des Jahres ist der 2,7 Liter Sechszylinder Boxermotor, der im Boxster  und Cayman eingebaut wird. (Abbildung: Porsche)
Der Motor des Jahres in der Klasse 2,5 bis 3 Liter  ist der 2,7 Liter Sechszylinder Boxermotor, der im Boxster und Cayman eingebaut wird. (Abbildung: Porsche)

Das Sporttriebwerk ist nach dem Downsizing-Prinzip vom 3,4-Liter-Motor abgeleitet und verbindet beim Cayman in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe PDK eine Leistung von 275 PS (202 kW) mit einem NEFZ-Verbrauch von 7,7 l/100 km (180 g/km CO2). Mit seiner spezifischen Leistung von 101,6 PS/l überschreitet dieser Sechszylinder die für Sportmotoren magische Grenze von 100 PS pro Liter Hubraum.

Damit gewinnt bereits zum vierten Mal ein Boxermotor von Porsche den Wettbewerb unter den besten Motoren der Welt. 2007 siegte Porsche bereits in der Kategorie der Drei- bis Vierliter-Motoren mit dem Triebwerk des 911 Turbo. 2008 konnte sich der aufgeladene 3,6-Liter-Boxerantrieb mit 480 PS sogar in der freien Hubraumklasse durchsetzen. 2009 errang der 3,8-Liter-Sechszylinder des 911 Carrera S den Titel „Best New Engine“. Bei der Wahl zum Motor des Jahres beurteilen 87 renommierte Fach-Journalisten aus 35 Ländern Fahrzeug-Antriebe in verschiedenen Kategorien. Neben Leistung, Kraftstoffverbrauch, Fahrverhalten und -komfort wird auch der Einsatz zukunftsweisender Technologien bewertet.

Die Vorteile: Kompakt und leicht, drehfreudig und laufruhig – seit 50 Jahren

50 Jahre Porsche 911 sind auch 50 Jahre Sechszylinder-Boxermotor. Nicht um der Tradition willen, sondern wegen seiner Vorteile: Er ist besonders flach, leicht und kompakt. Der Boxermotor mit sechs Zylindern ist besonders laufruhig, es gibt weder so genannte freie Momente noch freie Kräfte. Außerdem sind Boxermotoren sehr gut dazu geeignet, den Schwerpunkt eines Fahrzeugs zu senken. Die liegenden Zylinder ermöglichen eine besonders niedrige Bauweise. Und je tiefer der Schwerpunkt eines Fahrzeugs liegt, desto sportlicher lässt es sich fahren.

Eines der hervorstechendsten Merkmale der Porsche-Sechszylinder-Boxermotoren war darüber hinaus schon immer der im Vergleich zur Motorleistung geringe Kraftstoffverbrauch. Diese herausragende Effizienz beruht auf dem durch den Motorsport geprägten Gesamtkonzept. Es basiert auf konsequentem Leichtbau, hoher Drehfreude und hoher spezifischer Leistung durch vorteilhaften Ladungswechsel.

Diese Grundeigenschaften waren ausschlaggebend für die Entscheidung, für den ersten 911 einen Sechszylindermotor in Boxeranordnung zu entwickeln. Es entstand ein luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor mit Axialgebläse und – aufgrund der höheren Drehzahlreserven und verbesserten Laufruhe – einer obenliegenden Nockenwelle pro Seite. Als Hubraum wurden zunächst zwei Liter definiert und eine mögliche Erhöhung auf bis zu 2,7 Liter von vornherein eingeplant. Dass dieser Motortyp in seiner Grundform bis ins Jahr 1998 weitergeführt und letztendlich auf 3,8 Liter Hubraum gebracht werden sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt keiner der Porsche-Techniker voraussehen.

Weltpremiere 1963 mit 130 PS aus zwei Litern Hubraum

Bei der Weltpremiere des ursprünglich noch 901 bezeichneten ersten Elfers auf der IAA 1963 schöpfte der Sechszylinder-Boxermotor aus zwei Liter Hubraum eine Leistung von 130 PS bei 6.100/min.

Der 2,0-Liter-Boxermotor; aus dem Porsche 911 in 1963 (Foto: Porsche)
Der 2,0-Liter-Boxermotor; aus dem Porsche 911 in 1963 (Foto: Porsche)

Der Erfolg des neuen Sportwagens ließ bald den Wunsch nach mehr Leistung laut werden. Porsche reagierte, und zum Modelljahr 1967 debütierte der 911 S mit 160 PS bei 6.600/min – das Basis-Modell trug bald darauf die Modellbezeichnung 911 L, später 911 E. Besonders stolz waren die Ingenieure damals darauf, dass es im 911 S trotz der Mehrleistung und einer Literleistung von 80 PS pro Liter keine Einschränkung in der Lebensdauer des Aggregats gab.

Der 911 etablierte sich nicht nur durch seine effiziente Leistung auf dem Weltmarkt, sondern auch durch seinen technologischen Fortschritt. 1968 bot Porsche den Sportwagen erstmals mit abgasentgifteten Motoren für die USA an. Das Besondere dabei: Porsche schaffte es, ohne Leistungseinbuße und mit fast identischem Fahrkomfort die US-Abgasgesetze zu erfüllen, inklusive der besonders strengen Regelungen in Kalifornien. Die Abgasentgiftung geschah über eine Abgasrückführung in den Ansaugtrakt und Thermoreaktoren. Für die Entwicklungsarbeiten hatte Porsche als erstes Unternehmen in Europa überhaupt Abgasprüfstände installiert.

Zum Herbst 1968 führte Porsche die mechanische Benzineinspritzung mit Sechsstempel-Pumpe ein. Sie brachte zusammen mit Hubraumsteigerungen mehr Leistung und Drehmoment. 1969 wuchs der Sechszylinder zunächst auf 2,2 Liter, zwei Jahre später dann auf 2,4 Liter. Das brachte beispielsweise dem 911 S zunächst 180 PS und dann 190 PS. 1971 wurde zugleich die Verdichtung gesenkt, um alle 911 weltweit mit Normalbenzin fahren zu können. In enger Zusammenarbeit mit Bosch entwickelte Porsche die verbesserte, kontinuierlich einspritzende K-Jetronic, die 1972 zunächst in die US-Modelle Einzug hielt.

1974 debütierte der 911 Turbo als erster Seriensportwagen mit Abgasturbolader
1973 wurden in der als „G-Modell“ bezeichneten 911-Generation alle Motoren auf 2,7 Liter Hubraum umgestellt und zugleich der Betrieb mit bleifreiem Normalbenzin ermöglicht – womit Porsche einen weiteren Beweis lieferte, dass auch Sportwagen umweltfreundlich sein können. 1974 hatte eine Legende ihren ersten Auftritt: Porsche stellte den 911 Turbo vor, der erste Seriensportwagen mit Abgasturbolader. Damit hatten die Ingenieure ihre umfangreichen Erfahrungen aus dem Motorsport mit aufgeladenen Motoren in die Serienproduktion übertragen. Der Motor basierte auf dem Aggregat des 911 Carrera RS 3.0, leistete 260 PS sowie ein Drehmoment von 343 Newtonmetern und verhalf zu einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250 km/h.

Die Weiterentwicklung des Sechszylinders brachte Hubraum- und Leistungssteigerungen in mehreren Stufen, verbunden mit modernster Abgastechnologie. Die ersten Boxermotoren mit geregeltem Abgaskatalysator baute Porsche 1980. Drei Jahre später wurde eine neue Generation von Saugmotoren mit 3,2 Liter Hubraum und digitaler Motor-Elektronik präsentiert. Alle Motoren waren nun auf bleifreies Normalbenzin vorbereitet – in vielen europäischen Ländern gab es diesen Kraftstoff noch nicht, so konnte man flexibel reagieren. 1988 verbesserte Porsche die Verbrennung weiter und entwickelte einen Zylinderkopf mit zwei Zündkerzen pro Brennraum.

Seinen Zenit erreichte der luftgekühlte Boxermotor mit dem Saugtriebwerk der Modellreihe 993, das 1995 im Topmodell 911 Carrera RS aus 3,8 Litern Hubraum 300 PS leistete. Als Ableitung aus dem Rennsport gab es in Kleinserie den 911 GT2, dessen 3,6-Liter-Motor mit Hilfe von zwei Turboladern zunächst 430 PS entwickelte, im Modelljahr 1998 dann 450 PS. Auch der 911 Turbo erhielt das Biturbo-Konzept, zudem als Weltneuheit das Abgasüberwachungssystem OBD II. Der jetzt 408 PS starke Motor basierte zwar auf dem 3,6-Liter-Saugmotor, doch war er so umfassend modifiziert, dass er als eigenständige Konstruktion galt.

1996 feierte der erste wassergekühlte Sechszylinder-Boxermotor von Porsche Weltpremiere
Einen deutlichen Sprung in der Entwicklungsgeschichte der Sechszylinder-Boxermotoren von Porsche stellte der Antrieb der neuen Baureihe Boxster bei der Weltpremiere 1996 dar: Erstmals setzte Porsche ein wassergekühltes Triebwerk ein, 2,5 Liter groß und 204 PS stark. Frei von den Beschränkungen des bisherigen Sechszylinders mit Luftkühlung spendierten die Motorenentwickler dem neuen Triebwerk einen Zylinderkopf mit zwei Nockenwellen und vier Ventilen pro Brennraum. Ein Jahr später erschien der neue 911 der Baureihe 996, ebenfalls mit wassergekühltem Motor. Das Aggregat mit 3,4 Liter Hubraum war deutlich kürzer und vor allem flacher als der Vorgänger. Es leistete 300 PS und war wesentlich drehfreudiger als der bisherige Saugmotor. Die Einlassnockenwelle ließ sich überdies verstellen, die variable Steuerzeiten-Verstellung VarioCam war geboren. Zwei Jahre später wurde dieses System durch eine Ventilhub-Umschaltung ergänzt und trägt seither die Bezeichnung VarioCam plus. Doch wichtige Eckdaten blieben unangetastet: Sechszylinder, siebenfach gelagerte Kurbelwelle, Zweimassenschwungrad und ein längsgeteiltes Motorgehäuse. Auch der 911 Turbo wurde auf Wasserkühlung umgestellt und erhielt im Jahr 2000 einen neuen Motor mit 420 PS. Erneut nahm die Entwicklung über Hubraum- und Leistungssteigerung ihren Lauf, um Mitte der 2000er-Jahre bei Boxermotoren mit 3,6 und 3,8 Litern und 355 PS anzukommen.

Im Jahr 2008 erhielten die Typen 911 Carrera und 911 Carrera S dann von Grund auf neu entwickelte Motoren mit Benzindirekteinspritzung. Bei unverändertem Hubraum leisteten sie 345 PS und 385 PS. Aus der gleichen Familie kamen auch die in Boxster und Cayman eingesetzten Motoren. „Downsizing“ mit dem Ziel einer besseren Treibstoff-Effizienz wurde ab etwa 2008 zu einer richtungsgebenden Vorgabe für die Motoreningenieure. Porsche entwickelte auf Basis des gebündelten Wissens die neue Technik für den 911 der Baureihe 991, der 2011 erschien: So erhielt der Boxermotor im 911 Carrera mit 350 PS einen Hubraum von 3,4 Litern statt bisher 3,6 Liter. Der 400 PS starke Carrera S behielt seine 3,8 Liter Hubraum. Beide Modelle lassen erkennen, dass die Baureihe 991 als Gesamtpaket auf beste Treibstoffeffizienz hin entwickelt wurden: Mit einem Leistungsgewicht von 3,5 Kilogramm pro PS steht der neue 911 Carrera S im Umfeld an der Spitze. Und im NEFZ-Verbrauch legen der 911 Carrera mit 8,2 Liter auf 100 Kilometer (194 g/km CO2) und der 911 Carrera S mit 8,7 l/100 km (205 g/km CO2) – jeweils mit Doppelkupplungsgetriebe – wieder einmal Spitzenwerte vor.

Boxster und Cayman treten im Segment der zweisitzigen Roadster und Coupés mit den gleichen Eigenschaften an, die jetzt auch zur Auszeichnung als „Engine of the Year“ für die 2,7-Liter-Maschine in seiner Hubraumklasse führten. Im Boxster leistet das Triebwerk 265 PS bei identischen Verbrauchswerten wie das Cayman-Aggregat. Boxster S und Cayman S sind mit einer 3,4-Liter-Variante ausgestattet, die im Roadster 315 PS leistet und im Sportcoupé auf 325 PS gesteigert ist. Mit PDK ausgestattet begnügen sich beide im NEFZ mit 8,0 l/100 km (188 g/km CO2).

Der Sechszylinder-Boxermotor ist somit kein Triebwerk von gestern. Er kann tatsächlich die Entwicklungsbasis für den effizienten Sportmotor von morgen sein.

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