Buchbesprechung: Die Porsche Saga

Eine Familiengeschichte des Automobils untertiteln die Autoren Stefan Aust und Thomas Ammann ihr Buch „Die Porsche Saga“, das im Quadriga Verlag  erschienen ist. Tatsächlich ist die Geschichte von Ferdinand Porsche und seiner Verwandtschaft die Geschichte eines automobilen Clans und zugleich ein exemplarisches Stück Wirtschaftsgeschichte, wie der hintere Umschlagtext verspricht. Doch zwischen den Buchdeckeln wird der Leser enttäuscht.

Die Porsche Saga - Eine Familiengeschichte des Automobils: Von einem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur hätte eine kritischere betrachtung erwartet werden dürfen. 2012 bei Quadriga/ Bastei Lübbe erschienen.
Die Porsche Saga – Eine Familiengeschichte des Automobils: Von einem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur hätte eine kritischere betrachtung erwartet werden dürfen. 2012 bei Quadriga/ Bastei Lübbe erschienen.

 

 

Von einem langjährigen Spiegel-Chefredakteur (Aust) und dem Porsche-Experten Thomas Ammann, Kfz-Schlosser, Spiegel-TV-Redakteur und mehr, hätte man ein vollständigeres und sicher kritischeres Werk erwarten dürfen. Es bleiben etliche weiße Flecken.  Beispielsweise: Was hat F.A. Butzi Porsche gemacht, außer den 901/ 911 zu entwerfen? Was macht die Porsche Salzburg KG genau und wie wurde diese Autohandelsgesellschaft, was sie heute ist?

Anstelle den Porsche-Familienmitgliedern und deren Aktivitäten wirklich auf den Grund zu gehen, wird Weihrauch um Ferdinand Piech geschwenkt, der zwar unbestritten als Enkel von Ferdinand zur Familie gehört und seine Verdienste auch für Porsche hat.  Was interessiert es, dass VW-Konzernchef Martin Winterkorn die Qualität der Autos in gleicher Manier wie Piech zu erstreicheln sucht? Warum wird an Ferdinand Porsches Konstruktionen kaum Kritik geäußert? Warum wird sein Opportunismus im Dritten Reich nicht kritisch(er) beleuchtet? Schließlich wird im Nebensatz gesagt, dass Louise Piech rechtzeitig das mit den Nazis verdiente Geld in Sicherheit brachte; das hätte ein Ansatz für das Autorengespann sein können.

Dagegen wird Abwegiges im Kapitel „Porsche und Rennsport- Helden, Tragödien und Mythen“ im Stil eines Schüleraufsatzes verzapft, wenn von dem Besuch bei Julio Palmaz im Napa Valley berichtet wird. Porsche-Sammler und Enthusiasten gibt es viele. Nicht alle haben mit einer epochalen Erfindung so viel Geld verdient, etliche  originale Porsche-Rennwagen ins Privatmuseum stellen zu können. Und Restaurier wissen um die Schwachpunkte der frühen Sportwagen mit üblen Rostnestern.

Angegeben haben die Autoren 1,5 Seiten an Quellen und Literatur. Leider fehlt dabei das Werk eines nachgewiesenen Kenners und Fachjournalisten, das von Dr. Paul Simsa, Jahrgang 1924.  Sein Buch „Hitler, Käfer, Volksbetrug – Wie Ferdinand Porsche den „Führer“ faszinierte“ aus dem kleinen Bodensteiner Verlag (ISBN 3-9806631-3-2) zählt bei etwas mehr als dem halben Umfang der „Porsche Saga“ mehr als doppelt soviele Quellen auf: „Hitler glaubte an Porsche, der Zeit und Kosten verschwendete. Ohne Porsche-Chefkonstrukteur Karl Rabe hätte es den Käfer nie gegeben, ohne Heinrich Nordhoff nicht das Weltwunder nach dem Krieg.“

Kritische Betrachtung zur Entwicklung des Volkswagens, erschienen im Jahr 2004.
Kritische Betrachtung zur Entwicklung des Volkswagens, erschienen im Jahr 2004.

Stefan Aust, Thomas Ammann: Die Porsche Saga – Eine Familiengeschichte des Automobils, 400 Seiten, s/w bebildert, Quadriga Verlag, Berlin, in der Bastei Lübbe GmbH & Co KG, 2012, ISBN 978-3-86995-014-3. 24,99 Euro, bei Amazon gebraucht ab 14,09 Euro.

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