60 Jahre Radialreifen für Lkw von Michelin

Ein stolzes Jubiläum feiert in diesem Jahr der Radialreifen Michelin X für Lkw. Vor 60 Jahren, 1952, lässt Michelin seinen Radialreifen mit der X-Markierung für Lastkraftwagen patentieren und bringt damit eine bahnbrechende technische Neuerung für das Transportwesen auf den Weg. Mit dieser Innovation läutet Michelin die zweite große Etappe bei der Umstellung von Diagonal- auf Radialreifen ein: Bereits 1946 hatte Michelin seinen Radialreifen für Pkw zum Patent angemeldet, ein Produkt, das unter der Bezeichnung X in kürzester Zeit allgemein bekannt wurde.


Der konventionelle Diagonalreifen leistet zur Entwicklung der weltweiten Mobilität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag. Diese Art des Reifenaufbaus hat jedoch Grenzen, die von den Reifenherstellern schon früh erkannt werden. Zum einen bereiten seine Widerstandsfähigkeit bei hohen Geschwindigkeiten und die dabei entstehende Erwärmung Probleme. Zum anderen sind Langlebigkeit und allgemeine Zuverlässigkeit unzureichend: Zahlreiche Fahrzeuge bleiben aufgrund von Reifenschäden am Straßenrand liegen.

Ende der 1930er-Jahre entwickelt der Michelin Forscher Marius Mignol ein Reifenkonzept, bei dem die Flankenstruktur aus radial (parallel zum Radius) angeordneten und mit größerem Abstand zueinander verlegten Drähten besteht. Aufgrund dieser eigenartigen Architektur wird der Prototyp hausintern „Fliegenkäfig“ genannt. Sämtliche Tests und Versuche zeigen, dass sich die Reifenlauffläche nicht erwärmt. Die Bewegungen der diagonal verlegten Strukturlagen eines konventionellen Reifens führen hingegen besonders im Flankenbereich zu einem deutlichen Temperaturanstieg. Michelin ist davon überzeugt, dass dem Radialreifen die Zukunft gehört.

Während der Besetzung Frankreichs forscht Michelin unter strengster Geheimhaltung weiter an der neuen Technik und meldet am 4. Juni 1946 das Patent für den Reifen Michelin X an. In nur wenigen Jahren überzeugt der Radialreifen dank seiner technischen Überlegenheit.

Der Lancia Aurelia B20 ist 1951 das erste Auto, das serienmäßig mit den legendären Michelin Radialreifen vom Band rollt. Nicht ohne Grund wurde gerade dieses Fahrzeug ausgewählt: Das Duo Lancia und Michelin Radialreifen hatte im selben Jahr bei den 24 Stunden von Le Mans den Klassensieg in der Zwei-Liter-Kategorie errungen. Um jedoch alle Vorzüge des Radialreifens voll ausspielen zu können, bedarf es eines Fahrzeugs mit einem speziell darauf abgestimmten Fahrwerk. Genau das ist 1955 bei der Markteinführung des Citroën DS der Fall. Damit ist der erfolgreiche Start des Radialreifens auf dem französischen Heimatmarkt des Unternehmens Michelin besiegelt. Die internationale Verbreitung beginnt gut zehn Jahre später: Die Ford Motor Company rüstet ab 1966 den neuen Lincoln Continental Mark III ab Werk mit den in allen Leistungsbereichen überzeugenden Michelin X Reifen aus.

Um das volle Potenzial der Radialtechnologie auszunutzen, entwickelt Michelin die bahnbrechende Technologie für die Reifen anderer Fahrzeugtypen weiter. Als das Unternehmen 1952 den ersten Radialreifen für Lastkraftwagen auf den Markt bringt, gibt dies dem Transportwesen völlig neue Impulse.

1959 folgt der Einsatz der Radialtechnologie bei Reifen für Bau- und Erdbewegungsmaschinen. 1981 führt Michelin den ersten Radialreifen für Flugzeuge ein und 1984 hält die Radialtechnologie schließlich im Motorradbereich Einzug, zunächst nur im Rennsport. 1987 feiert die Produktreihe A59X/M59X für Straßenmotorräder ihren Marktstart, die richtungsweisend für die Kurvenperformance der Bikes ist. Mit dem Siegeszug des Radialreifens demonstriert Michelin besonders beeindruckend seine Performance bei der Entwicklung von innovativen Lösungen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen