Insassenschutz auf der Rückbank wird verbessert

Die Bandbreite seiner Technologien und Konzepte, mit denen Fahrzeuginsassen bei einer unvermeidlichen Kollision besser geschützt werden können, stellte die TRW Automotive Holdings Corp. auf dem 11. Internationalen Symposium „Airbag 2012“ jetzt in Karlsruhe vor. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf fortschrittlichen Rückhaltesystemen, die dabei helfen können, den Insassenschutz auf der Rückbank zu verbessern. Denn aktuell sind auf dem Fahrer- und Beifahrersitz deutlich mehr und fortschrittlichere passive Sicherheitssysteme im Einsatz als im Fahrzeugfond. Damit sich dies ändert, wird das Euro NCAP-Rating ab 2015 entsprechend angepasst. Passend dazu zeigt TRW auf der „Airbag 2012“ beispielsweise eine Konzeptstudie seines Dach-Airbags für die Rückbank sowie sein aktives Gurtschloss (Active Buckle Lifter – ABL) in einer Fond-Anwendung, die 2013 in der neuen Mercedes S-Klasse von Daimler in Serie geht. Technologien wie das ABL können dabei helfen, vor allem im realen Unfallgeschehen den Insassenschutz zu verbessern.

Dirk Schultz, Engineering Director Inflatable Restraint Systems bei TRW im schwäbischen Alfdorf, erklärte: „In den letzten Jahren hat sich der Schutz von Fahrern und Beifahrern deutlich verbessert. Grund dafür sind vor allem strengere Vorschriften sowie Verschärfungen im Neuwagenbewertungsprogramm Euro NCAP. Auf der Rückbank sieht die Situation allerdings ganz anders aus, denn die Sicherheits-Features für Insassen im Fahrzeugfond sind meist nicht so fortschrittlich wie die für Fahrer und Beifahrer. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn in den nächsten Jahren beim Euro NCAP die Sicherheit auf den hinteren Fahrzeugsitzen stärker in den Fokus rückt. Denn ab 2015 umfassen die Euro NCAP-Sicherheitstests mehr Insassengrößen auf der Rückbank. Es werden dann auch hinten sitzende ältere und größere Kinder im Kindersitz (Q6 und Q10 Kinder-Dummy) simuliert sowie kleinere und leichtere Erwachsene (HIII-5%-Dummy). Damit Fahrzeughersteller auch weiterhin Höchstbewertungen von fünf Sternen im Euro NCAP-Rating erhalten, müssen sie also die deutlich verschärften Anforderungen an den Insassenschutz auf der Rückbank erfüllen. Als einer der führenden Entwickler und Hersteller von Airbags und Sicherheitsgurten kann TRW seine Kunden dabei unterstützen, erstklassige Sicherheit auch im Fahrzeugfond anzubieten.“

Auf der „Airbag 2012“ präsentiert TRW einige innovative Lösungen, die dabei helfen können, den Insassenschutz auf der Rückbank zu verbessern. Dazu zählt sein aktives Gurtschloss, das einerseits durch ein Anheben des Gurtschlosses die Insassen beim Anschnallvorgang unterstützt und andererseits in dynamischen und kritischen Fahrsituationen den Sicherheitsgurt strafft. Das ABL wird 2013 in der neuen Mercedes S-Klasse von Daimler in Serie gehen.

„Wir haben vor zehn Jahren die ersten PRE-SAFE®-Systeme bei  Daimler in Serie gebracht. Den Anfang machte damals unser Gurtstraffer der ersten Generation – der ACR1 – den wir 2002 in der S-Klasse auf den Markt gebracht haben. Heute, zehn Jahre später, stellt das ABL die konsequente Weiterentwicklung im Bereich PRE-SAFE® dar, die wir in enger Zusammenarbeit mit Daimler realisieren konnten. Erstmalig wird mit dem ABL ein PRE-SAFE®-System auf dem Rücksitz in Serie gehen“, erklärte Uwe Class, Senior Engineering Manager Active Restraint Systems bei TRW in Alfdorf.

In einem transparenten Acryl-Fahrzeug zeigt TRW außerdem eine Konzeptstudie seines Dach-Airbags in einer Anwendung für die Rückbank. Der im Fahrzeugdach verbaute Airbag soll 2014 als Beifahrer-Applikation in Serie gehen. TRW prüft derzeit, wie das neue System auch dafür verwendet werden kann, den Schutz von Insassen im Fahrzeugfond zu verbessern. Außerdem untersucht der Sicherheitsspezialist Airbagmodule, die an neuen Einbauorten im Fahrzeug verbaut werden können, wie beispielsweise in der Lehne der Vordersitze.

Darüber hinaus hat TRW eine ganze Bandbreite an Technologien zur Lastbegrenzung im Angebot, mit denen die Energie eines Insassen während einer Kollision reguliert werden kann. Auf der „Airbag 2012“ wird beispielsweise die dynamische Steckzunge (Dynamic Locking Tongue – DLT) von TRW vorgestellt, die den Sicherheitsgurt festklemmen kann und so die Belastung auf den Brustkorb des Insassen verringert. Bei einer Kollision kann die DLT mit anderen Sicherheitsgurttechnologien zusammenarbeiten. Systeme dieser Art können dabei helfen, die zukünftigen Euro NCAP-Anforderungen für die Rückbank zu erfüllen.

TRW stellte in Karlsruhe außerdem seine neuen adaptiven Seitenairbags vor. Diese verfügen über eine flexible und adaptive Entlüftung, mit der je nach Aufprallgeschwindigkeit und Schwere des Unfalls der seitliche Insassenschutz angepasst wird. TRW hat die Technologie ursprünglich für Beifahrerairbags entwickelt und überträgt dieses Know-how jetzt für den Einsatz im Seitenschutz. Es ist geplant, 2013 mit den neuen adaptiven Seitenairbags in Serie zu gehen.

Bei einem schweren Unfall mit großem Energieeintrag in die Fahrzeugseite verschließt ein spezieller Fangband-Mechanismus die Entlüftung der Seitenairbags. Dadurch wird der Innendruck im Luftsack länger aufrechterhalten und mehr Energie bei einem sehr schweren Aufprall absorbiert. Außerdem reduziert der neue adaptive Seitenairbag die Wahrscheinlichkeit, dass der Insasse auf die Türverkleidung durchschlagen kann.

Norbert Kagerer, Vice President bei TRW Occupant Safety Systems in Alfdorf, erklärte: „Mit der Einführung von zweistufigen Gasgeneratoren sind die ersten adaptiven Insassenschutzsysteme vor über einem Jahrzehnt auf den Markt gekommen. Seitdem haben wir diese Technologie kontinuierlich weiterentwickelt und berücksichtigen heute Faktoren wie Entfaltungsdruck, Luftsackgeometrie, Festigkeit und Charakteristik des sich entfaltenden Airbags. So ist beispielsweise das aktive Entlüftungssystem ‚SAVe‘ von TRW bereits für Insassen auf dem Beifahrersitz in Serie. Die Technologie erkennt die Sitzposition des Insassen: Befindet er sich nah am Airbag, wenn dieser auslöst, wird ein Teil der Gase durch zusätzliche Abströmöffnungen aus dem Luftsack herausgeleitet. Damit wird der Airbag weicher und die Belastung für den Insassen verringert sich. Mit unseren neuen adaptiven Seitenairbags können wir den Insassenschutz jetzt auch bei einem seitlichen Crash an Aufprallgeschwindigkeit und Schwere des Unfalls anpassen. Damit ist diese Generation eine unserer fortschrittlichsten Airbagtechnologien und kann den Insassenschutz bei den häufigsten Seitenaufprall-Szenarien verbessern.“

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