„BRIC“ Staaten auf der Überholspur im Fahrzeugabsatz

Daimler will 2020 wieder an der Spitze der Premiumhersteller stehen, VW mittels seiner ambitiösen „Strategie 2018“ Nummer eins der Automobilhersteller werden. Doch dunkle Wolken verdüstern nach Ansicht von Johannes Lapré, Geschäftsführer IHS Global, die Wachstumsprognosen der Weltwirtschaft für dieses und die nächsten Jahre. Das stabile Geschäftsklima, so die Prognose, werde sich außerhalb Europas fortsetzen und die Weltautomobilproduktion stärker wachsen als die globale Wirtschaft. Dabei werden die Anforderungen an die Automobilhersteller und die Zulieferindustrie immer komplexer.

In diesem schwierigen Umfeld schrieb Volkswagen letztes Jahr das beste Ergebnis seiner Geschichte mit einem operativen Ergebnis von mehr als elf Milliarden Euro und einem Plus von 1,1 Millionen produzierter Fahrzeuge. Und das, obwohl in Europa im Verkauf ein Minus von zwei Millionen Fahrzeugen zu beklagen ist. Dieser Rückgang in Europa „entspricht der Jahreskapazität von zehn Fabriken,“ verdeutlichte Michael Macht, Produktionsvorstand der Volkswagen AG. Das Wachstum, da herrschte Einigkeit unter den Rednern und den rund 300 Zuhörern, findet im wesentlichen in Asien und Russland, den „RIC“ Staaten, statt; abgeschwächt auch in Südamerika. Die Herausforderungen der Zukunft will Wolfsburg mit Wirtschaftlichkeit und Prozessorientierung meistern. Im Falle des 12-Marken-Konzerns gilt es, 94 Standorte mit 16 Motoren- und 22 Getriebegruppen, mit über 190 Pressestraßen, mehr als 28.000 Robotern, über 40 Anläufen pro Jahr und insgesamt über 870 Standards zu koordinieren. Mit einer Umsatzrendite von mehr als acht Prozent sieht sich das Unternehmen auf gutem Wege.

Wer erfolgreich sein will, muss eine klar durchdachte Strategie vorweisen können und verstärkt vor Ort produzieren. „Es genügt nicht, ein gutes Auto zu bauen, es muss sich auch lohnen,“ betonte Thomas Steinberger von Pricewaterhouse Coopers. Dem pflichtete Klaus Zehender, Leiter Einkauf Mercedes-Benz Cars und Vans Daimler AG, uneingeschränkt bei. Regionalisierung oder „local content“ heißen die Schlagworte. Wer auf der Gewinnerseite stehen möchte, ob als Hersteller oder Zulieferer, muss sich globalisieren. Hinzu kommt, dass sich mit europäischen Fahrzeugen die Preispunkte in den Volumensegmenten der BRIC-Länder nicht erreichen lassen. In den A00 bis A0 Segmenten, die derzeit den Großteil der Fahrzeuge ausmacht, zwingt dies zu einem Lokalisierungsgrad von 80 bis 90 Prozent. Bei Porsche sieht die Erfolgsgeschichte vollständig anders aus, wie Vertriebs- und Marketingvorstand Bernhard Maier eindrucksvoll zeigen konnte.

Ungefähr 40 Millionen mehr produzierte Fahrzeuge bis 2018 zeichnen das Bild einer Automobilindustrie auf solidem Wachstumskurs. Allerdings findet dieses Wachstum hauptsächlich in Asien statt, nämlich in China und immer mehr auch in Indien, das bis 2020 der drittgrößte Fahrzeugmarkt der Welt sein werde, so die Prognosen. „Die Musik spielt in den Emerging Markets.“ so Steinberger. Die klare Botschaft: Wer nicht schon dort ist, sollte sich schleunigst auf den Weg machen, wenn er weiterhin im Business bleiben möchte. Außer Schutzzöllen, die die Länder auferlegen, kann nur die Produktion vor Ort gewährleisten, dass Währungs- und Produktionsrisiken minimiert werden und keine gefährlichen Wartezeiten durch Importe anfallen.

OEM of the Future Award

Unmissverständlich klar wurde während des zweitägigen Kongresses unter OEMs und Zulieferern, dass sich die Unternehmen immer effizienter und globaler aufstellen müssen. Für Klaus Draeger, Vorstandsmitglied der BMW AG, ist die Richtung klar: „Nur wer nachhaltig agiert, wird auch in Zukunft bestehen können. Premium und Nachhaltigkeit sind dabei untrennbar miteinander verbunden.“ Damit sind die Bayern derzeit Nummer 1 der Premiumhersteller. Und was bringen die kommenden Jahre?

AutomobilProduktion und das Meinungsinstitut IHS feierten auf dem diesjährigen Automobilforum gemeinsam eine Premiere: Sie zeichneten den OEM of the Future aus. Anhand eines ausgeklügelten Systems, das Christoph Stürmer, Automobilexperte und Stratege bei IHS erläuterte, schaute die sechsköpfige Fachjury in die Zukunft. Welcher Automobilhersteller hat das erfolgreichste Konzept bis 2014, ist fittest for future? In diesem Fall gingen die Bayerischen Motorenwerke klar als Sieger hervor. Für die Zulieferer gewinnt ein derart gut bewerteter Kunde zusätzlich an Attraktivität. Und nicht zuletzt für den Käufer.

Susanne Roeder

1 Kommentar zu „BRIC“ Staaten auf der Überholspur im Fahrzeugabsatz

  1. Winterkorn kündigte an, Volkswagen werde bis 2015 im Konzernbereich Automobile 53,6 Mrd. Euro investieren, zusätzlich noch einmal 10,6 Mrd. Euro in China . Dazu zählen auch die Bemühungen um die Elektromobilität. Aber Winterkorn schränkt ein: „Der Kunde will keinen Schnellschuss, sondern ein ausgereiftes, alltagstaugliches und vor allem bezahlbarers Elektroauto.“ Die ersten VW e-Up und der e-Golf werden ab 2103 geliefert werden.

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