Otto? Diesel? Wankel? Reisser!

Der Centrifugal Heinz Boxer, ein neuartiger Verbrennungsmotor, läuft bereits auf dem Prüfstand. Die neue Konstruktion könnte die Motorenwelt revolutionieren. Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Felix Wankel – Motorentechnik ist mit deutschen Namen fest verbunden. Nun schickt sich Heinz-Gustav Reisser an, die Antriebswelt im 21. Jahrhundert noch einmal kräftig durcheinander zu wirbeln.

Die Versprechen sind vollmundig, die Technik ist durch Patente in Amerika, Deutschland, Indien, China und Japan abgesichert. Eine saubere, wartungsarme und effiziente Antriebsquelle will der Deutsch-Amerikaner erfunden haben. Mit einem versprochenen Wirkungsgrad von 67 Prozent würde der CHB-Verbrennungsmotor (CHB = Centrifugal Heinz Boxer) die herkömmliche Technik, die bis zu 40 Prozent Wirkungsgrad erreicht, um Längen schlagen. Als Kraftstoff wird Diesel verwendet, womit die Nachteile einer nicht vorhandenen Infrastruktur wie bei Wasserstoff oder Batterieladestationen ausgeschlossen sind. Dank sehr hoher Kompression von 1:25 verläuft die Verbrennung sehr effektiv und es entstehen nur geringe NOx- und Feinstaub- Partikelemissionen. Der Kraftstoff wird direkt eingespritzt per Common-Rail.

Das Modell veranschaulicht die Kolbenanordnung des CHB-Motors.

Der neuartige Motor wird aus 62 Prozent weniger Komponenten aufgebaut als herkömmliche Maschinen.  Unter anderem wurden Hubzapfen, Pleuel und Ölpumpe eliminiert. Dadurch kann er sehr kostengünstig hergestellt werden. Baukastenprinzip und Modulbauweise sorgen für Vorteile. Außerdem wird rund  40 Prozent weniger Bauraum als für entsprechend große, konventionelle Verbrennungsmotoren benötigt. Ein CHB-Motor mit einem Liter Hubraum kommt auf einen Durchmesser von 470 mm und eine Höhe von 140 mm. Somit eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten der Raumnutzung im Fahrzeug. Es lassen sich zudem mehrere Motormodule in Reihe koppeln. „Damit können aus einheitlichen Bauteilen Motoren mit unterschiedlichen Leistungen und Hubräumen sehr kostengünstig hergestellt werden“, erklärt der jugendlich wirkende, deutschstämmige Erfinder Heinz-Gustav Reisser, Geschäftsführer der Firma Niama-Reisser LLC aus Coshocton, Ohio/ USA.

Heinz-Stefan und sein Sohn Heinz-Gustav Reisser präsentieren die neue Motorentechnik.

Ein weiterer Vorteil des neuen Triebwerks ist darüber hinaus, dass kein Öl zur Schmierung im Kurbelgehäuse verwendet wird. „Alle Verschleißteile werden aus engineered composite materials hergestellt, die über ausreichende Selbst-Schmierung verfügen“, erklärt Reisser. Damit gehören Ölwechsel der Vergangenheit an. Gleichzeitig zeigen diese Materialien weniger Reibungswiderstand und tragen damit zur hohen Effizienz bei. Ein Teil des hohen Wirkungsgrades wird auch durch die gebogene Brennraumform erreicht. Der Reisser-Motor ist weder Vier- noch Zweitakter.  Bei jeder Kurbelwellenumdrehung zündet der Funke zwei  Mal in den beiden Brennräumen. Der Motor kommt ohne Ventile aus, hat keine Antriebskette(n) und auch  keine Öl- oder Wasserpumpe. „Die Ladungswechsel werden durch ein “Twin-Charge Ladeluftsystem”, welches speziell für die CHB-Engine Family entwickelt wurde, gesteuert“, erklärt Reisser. „Die Kolbengeometrie bestimmt Öffnungs- und Schließwinkel wie bei einem herkömmlichen Zweitakter, jedoch besteht kein Kurbelgehäuseüberdruck wie bei konventionellen Zweitaktern. Der Überdruck, welcher nötig ist, um die Brennkammern zu spülen und zu befüllen, wird von dem “Twin-Charge Ladeluftsystem” mit Luftspeicher zur Verfügung gestellt. Es herrscht ein konstanter Ladedruck am Einlasskanal.“

NR-1, ein sub-kompakter Kleinwagen mit Minimalverbrauch. Foto: Niama-Reisser

Niama-Reisser verfügt nach Unternehmensangaben über Erfahrung und Know-how bei der Entwicklung. Dank eigener IT- und CAE (Computer aided engineering)- Kompetenz konnte der CHB-Motor realisiert werden. Das Unternehmen hat passend zu dem innovativen Motorkonzept auch einen Kleinwagen entworfen, der einen bemerkenswerten Beitrag in der aktuellen Diskussion um Elektromobilität und alternative Antriebe leistet. Der NR-1 genannte, zweitürige  Wagen bietet Platz für vier Personen und 600 Liter Stauraum. Er verfügt über eine auf einem Rohrrahmen montierte Kunststoff-Karosserie. Das Triebwerk sitzt im Heck.  Einzelradaufhängung rundum verspricht ordentlichen Federungs- und Abrollkomfort. Mit einem Cw-Wert von weniger als 0,26 wurde eine sehr windschlüpfige Form gefunden.  Die Höchstgeschwindigkeit  soll 120 km/h betragen. Es wird ein Verbrauch von 1 Liter/ 100 km angepeilt.

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