Unterwegs mit dem Wiesmann Roadster MF3 Final Edition

Klassische Anmutung, modernste Technik, Fahrspaß pur
Klassische Anmutung, modernste Technik, Fahrspaß pur

Kompakt duckt sich der Wiesmann Roadster MF3 über der Straße und bei flüchtigem Blick könnte er mit einem Austin-Healey verwechselt werden. Seit 1993 wird der Sportwagen mit der Potenz des AC Cobra in Dülmen südwestlich von Münster gebaut, wo auch die Modelle MF4 und MF5 als Roadster und GT hergestellt werden. Nun entstehen die letzten Exemplare des MF3, denn von dem legendären BMW-Reihensechszylindermotor stehen nur noch wenige zur Verfügung. 18 verschiedene Vorschläge  für Farbgebung und Ausstattung haben die Designer Christian und Michael Sieger entwickelt, doch der Wagen ist nach persönlichen Vorstellungen frei konfigurierbar. Kein zweiter Wiesmann ist mit einem anderen identisch.

Klassische Anmutung, modernste Technik, Fahrspaß pur

Eine Variante der „final edition by Sieger“ heißt „Polar Bear“.  Passend zur äußeren Farbgebung ist der Innenraum mit hell- und dunkelblauem, rotem und weißem Leder großzügig ausstaffiert. Das passt zu den frostigen Temperaturen zur Zeit der Testfahrt, vor der es einige Hinweise zur Bedienung gibt.  Zunächst aber muss man sich in das Fahrzeug einfädeln. Das gelingt vor allem denen gut, die bei durchgedrückten Beinen die Fußspitzen mit den Händen erreichen können: rechtes Bein über den hohen, breiten Schweller in den Fußraum stecken, Kopf einziehen und Körper in den Sitz schieben, linkes Bein nachziehen. Schon umklammert die Sitzschale den Fahrer, die linke Schulter hat nach dem Zuziehen der Tür mittel Lederschlaufe fast Kontakt zur Seitenscheibe. Es ist trotz knappen Zuschnitts genug Platz für 1,95 Meter lange Passagiere vorhanden.

Details der Fahrzeugfront des Wiesmann Roadster

Der Entriegelungsknopf für die Gepäckraumklappe liegt versteckt, die Klimatisierung über Drehschalter wirft keine Fragen auf, die Schaltgeschwindigkeit ist mit einer Taste hinter dem Gangwahlhebel einstellbar, das ESP kann abgeschaltet werden.  Die Sitzverstellung erfolgt mechanisch, die Fenster werden gekurbelt und die Spiegel von Hand eingestellt. Zur Probe wird das mechanische Verdeck geöffnet: zwei Riegel entsichern und die Stoffmütze nach hinten klappen – fertig.  Schalter und Hebel aus Aluminium und Edelstahl wirken nicht nur so, sondern sind tatsächlich aus dem Vollen gedreht: erlebbare Qualität statt Massenware.

Hinter den Sitzen gibt es etwas Platz für Gepäck, zusätzlich finden sich im Heck 175 Liter Stauraum. Eine Gepäckbrücke aus Edelstahl ist als Extra für knapp 2 000 Euro erhältlich und könnte dann das vielzitierte Golfbag aufnehmen. Auf Wunsch sind Kartentaschen am Getriebetunnel lieferbar, und neben dem Handschuhfach bietet die Mittelkonsole weitere Ablagemöglichkeiten.

Nette Uhrensammlung: Cockpit mit feinster Verarbeitung

Wir drehen den Zündschlüssel, positionierenden den Wählhebel des automatisierten Getriebes so, dass im kleinen Display vor dem Fahrer eine „0“ erscheint und könnten bei getretener Bremse den Startknopf drücken. Der  3 246 ccm große Langhuber erwacht spontan zum Leben und seine Mechanik tickert vernehmbar, aus den zwei Endrohren blubbert es sonor. Der Gangwahlhebel wird nach rechts gedrückt und im Display erscheint die „1“, es geht los. Mit Lenkradschaltwippen oder dem Wählhebel lässt sich die Gangwahl beeinflussen. Der leichtgängige Dreh am kleinen Volant sorgt für direkte Lenkreaktionen.  Die Übersichtlichkeit nach vorne ist gut, das gibt schnell Vertrauen, die Leistung auszukosten. 252 kW/ 343 PS lassen das weniger als  1200 Kilogramm schwere Fahrzeug bei Bedarf in knapp fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 255 km/h angegeben. Gegen Aufpreis sind verschiedene kurze Hinterachsübersetzungen lieferbar, die noch druckvolleres Beschleunigen erlauben. Überhaupt ist praktisch jeder individuelle Wunsch bei Wiesmann machbar.

Sinnlicher Abschluss: Heck des Wiesmann Roadster MF 3 Final Edition

Kurvige Landstraßen frisst der Wiesmann bevorzugt, aber der gute Geradeauslauf macht auch schnelle Autobahnetappen mühelos. Perfekt passen die bissigen Bremsen zu den hohen Fahrleistungen. Sieben zum Fahrer ausgerichtete Rundinstrumente in Cockpitmitte informieren umfassend, noch schöner ist die Rückmeldung der Antriebseinheit: es orgelt, bratzelt und bollert, mal präsent, mal fast aufdringlich. Das muss man haben, weil es wohlige Gänsehaut erzeugt. Zumal das Fahrzeug einen überzeugenden Qualitätseindruck hinterlässt und auch auf schlechter Wegstrecke keinerlei Knack- oder Knistergeräusche von sich gibt. Handarbeitsqualität made in Germany. Das unterscheidet ihn dann doch ganz klar von klassischen englischen Roadstern. Insgesamt rund 1 500 Fahrzeuge hat Wiesmann bis heute gefertigt und entsprechend routiniert verarbeitet präsentieren sich die aktuellen Fahrzeuge. Trotz rationaler Gründe bleibt der Kauf eines Wiesmann doch eine emotionale Entscheidung für puren Fahrspaß.

 

Blick in die Manufaktur von Wiesmann in Dülmen

Technische Daten: Wiesmann Roadster MF3

Zweitüriger Roadster mit mechanischem Stoffverdeck, Länge/Breite/ Höhe/Radstand: 3 860 mm/1 750 mm/ 1 160 mm/ 2 296 mm, Leergewicht 1 180 kg, zul. Gesamtgewicht 1 400 kg, Tankinhalt 60 Liter, Gepäckraum 175 Liter.

Sechszylinder-Reihenmotor, 3 246 ccm, 252 kW/ 343 PS bei 7 900 U/min, max.Drehmoment 365 Nm bei 4 900 U/min, 0 – 100 km/h: 4,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 255 km/h, Verbrauch (kombiniert) 12,8 Liter, Kraftstoff: Super Plus, CO2-Ausstoß: 287 g/km, Euro 5, Preis 119 900 Euro

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