Verräterische Details: So erkennen Sie Blender beim Gebrauchtwagenkauf

Die Risiken beim Gebrauchtwagenkauf sind bekannt, doch immer wieder fallen Autokäufer auf einen Blender herein, hat ein Praxistest von DEKRA ergeben. Die Rede ist von Unfallautos, die für den Verkauf mit allen Tricks notdürftig zusammengeflickt und für den Verkauf „aufgehübscht“ werden. Obwohl die Testverkäufer mit dem schlecht reparierten VW Golf nur eine eingeschränkte Probefahrt anboten oder unter Vorwänden ablehnten („Schon abgemeldet“), hätten die Interessenten im Ernstfall fast ausnahmslos zugegriffen und eine weit überhöhten Preis bezahlt.

„Es grenzt an Fahrlässigkeit, einen Gebrauchten ohne vernünftige Probefahrt und ohne Check durch einen neutralen Fachmann zu kaufen“, warnt Norbert Todt, Sachverständiger bei DEKRA Duisburg. „Ein unfachmännisch reparierter Unfallschaden wirkt sich nicht nur negativ auf den Wert des Fahrzeuges aus, man kann auch nicht sicher sein, ob ein solches Fahrzeuge verkehrssicher ist“, warnt der Experte. „Ganz zu schweigen von der Crash-Sicherheit bei einem weiteren Unfall.“ Mit dem stark gestiegenen Durchschnittsalter der Autos auf deutschen Straßen hat sich auch das Risiko erhöht, einen Unfallwagen untergejubelt zu bekommen. Doch auch ein junger Gebrauchter kann eine bewegte Vergangenheit haben.

Für Kaufinteressenten heißt es deshalb bei der Besichtigung: ganz genau hinsehen. Jeder Unfall hinterlässt Spuren, die einen aufgepeppten Blender verraten. Rolf Dehne, Karosserieexperte im Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) in Lohfelden, kennt die Indizien: Ungleichmäßige Spaltmaße zwischen Hauben, Kotflügel und Seitenteilen, Knicke im Dachbereich oder ein auffällig geringer Abstand eines Reifens zum Radlauf. Misstrauen ist auch angebracht, wenn Teile der Karosserie neu lackiert aussehen. Fachleute kommen ausgebesserten Stellen mit einem Messgerät für die Lackschichtdicke auf die Spur. Zieht das Auto bei der Probefahrt zur Seite, gilt ebenfalls „Hände weg“. Eventuell ist die Radaufhängung verzogen. Im Motorraum weisen Klebebandreste, Lacknasen oder auffällige Lackübergänge auf eine Unfallreparatur hin.

Laut DEKRA sind Verkäufer verpflichtet, beim Verkauf selbst kleinere Blechschäden wahrheitsgemäß anzugeben. Ausnahmen bilden lediglich Bagatellschäden, wie zum Beispiel geringfügige Lackschäden. Bei falschen Angaben ist der Käufer berechtigt, vom Kaufvertrag zurückzutreten und das Fahrzeug zurückzugeben. Vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag deshalb unbedingt nach einem Vorschaden fragen und die Angaben im Vertrag schriftlich festhalten. Weiter empfiehlt sich ein Check durch einen neutralen Sachverständigen, wie zum Beispiel DEKRA. In vielen Fällen ersparen sich Autokäufer damit eine Menge Ärger und viel Geld.

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