Volkswagen Aufsichtsrat stimmt Grundlagenvereinbarung für integrierten Automobilkonzern mit Porsche zu

Die Zusammenführung von Volkswagen und Porsche zu einem integrierten Konzern mit zehn starken Marken unter einheitlicher Führung wird gemäß der Grundlagenvereinbarung in mehreren Schritten erfolgen und soll im Laufe des Jahres 2011 abgeschlossen sein. Hans Dieter Pötsch, Vorstand Finanzen und Controlling der Volkswagen Aktiengesellschaft, erklärte zu dem vereinbarten Gesamtkonzept: „Es verbindet größtmögliche Transaktionssicherheit mit der Schaffung einer stabilen Eigentümerstruktur, einer fairen Bewertung und einer sehr soliden Finanzierung. Zudem werden die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und die finanzielle Solidität sowie das gute Rating von Volkswagen gesichert.“

Zunächst beabsichtigt die Porsche Automobil Holding SE, den Großteil ihrer Optionen auf Volkswagen Aktien an Katar zu veräußern. Ein erfolgreicher Abschluss der weit fortgeschrittenen Gespräche wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum integrierten Automobilkonzern. Katar würde durch die Ausübung der Optionen dritter Großaktionär von Volkswagen.

Parallel dazu wird Porsche zur weiteren Sicherung seiner finanziellen Stabilität die Unterstützung seiner kreditgebenden Banken für das vereinbarte Gesamtkonzept suchen und über eine neue Finanzierungsstruktur verhandeln.

Verlaufen diese Gespräche erfolgreich und übernimmt Katar das Options-Portfolio, wird Volkswagen sich im nächsten Schritt bis Ende des Jahres 2009 mit 42,0 Prozent an der Porsche AG beteiligen. Für das gesamte Unternehmen wurde nach einem sorgfältigen Bewertungs- und Prüfungsprozess ein Wert in Höhe von 12,4 Milliarden Euro ermittelt; darin sind die zu erwartenden Synergien bereits enthalten. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung der Verschuldung von Porsche wird Volkswagen für den Anteil von 42,0 Prozent voraussichtlich bis zu 3,3 Milliarden Euro zahlen.

Zur Refinanzierung der Beteiligung an der Porsche AG sowie zur Sicherung ihres Ratings plant Volkswagen für das erste Halbjahr 2010 eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Vorzugsaktien. Der Aufsichtsrat wird sich zeitnah mit dem Thema befassen und die Details beschließen. Eine solche Kapitalerhöhung bedarf der Zustimmung der Aktionäre, die voraussichtlich auf einer außerordentlichen Hauptversammlung bis Ende des Jahres eingeholt werden soll.

Darüber hinaus ist in dem Gesamtkonzept vorgesehen, dass die Familiengesellschafter den operativen Geschäftsbetrieb der separat gehaltenen Porsche Holding Salzburg an Volkswagen veräußern. Für die mit einem Absatz von zuletzt 474.000 Fahrzeugen größte Automobil-Vertriebsgesellschaft Europas wurde ein Unternehmenswert von 3,55 Milliarden Euro ermittelt. Der Verkauf des Vertriebsgeschäfts ist ab 2011 möglich. Die Porsche Holding Salzburg wird aber auch in diesem Fall als organisatorische Einheit ihre derzeitige Struktur und Aufgabenstellung behalten; Familienmitglieder werden in den Kontrollorganen des Unternehmens vertreten bleiben.

Die Familiengesellschafter werden den Großteil des Erlöses aus dem Verkauf des Vertriebsgeschäfts der Porsche Holding Salzburg für eine Stammkapitalerhöhung bei der Porsche SE verwenden. Diese Kapitalerhöhung soll die finanzielle Situation der Porsche SE weiter verbessern und vor ihrer angestrebten Verschmelzung mit Volkswagen erfolgen. Parallel zur Stammkapitalerhöhung sollen auch neue Vorzugsaktien der Porsche SE ausgegeben werden.

Im Anschluss daran soll eine finanziell stabile Porsche SE auf Volkswagen verschmolzen werden – der letzte Schritt zur Zusammenführung beider Unternehmen. Die Verschmelzung bedarf der Genehmigung durch die Hauptversammlungen beider Unternehmen. Ein Abschluss wird im Laufe des Jahres 2011 angestrebt.

Die exakten Beteiligungsverhältnisse nach einer Verschmelzung stehen noch nicht fest. Sie hängen vom Volumen möglicher Kapitalerhöhungen, vom Cash-flow und der Liquiditäts- bzw. Verschuldungssituation beider Unternehmen sowie der zum Zeitpunkt der Verschmelzung festgestellten Wertrelation von Volkswagen und Porsche SE ab. Die Familiengesellschafter Porsche und Piëch bleiben jedoch größte Aktionäre bei Volkswagen, das Land Niedersachsen wird auch künftig zweitgrößter Aktionär des Volkswagen Konzerns sein.

Die Stellung Niedersachsens soll gemäß der Grundlagenvereinbarung künftig in der Satzung von Volkswagen ausdrücklich verankert sein. Dem Land soll die Entsendung zweier Aufsichtsräte zustehen. Die vorhandene Regelung zur Sperrminorität – bei Volkswagen bedürfen wichtige Hauptversammlungsentscheidungen einer qualifizierten Mehrheit von mehr als 80 Prozent des vertretenen Grundkapitals – soll bekräftigt werden.

Vorgesehen ist ferner eine substanzielle Beteiligung der weltweiten Mitarbeiter des integrierten Automobilkonzerns. Die Mitarbeiterbeteiligung soll über eine von den Konzernbetriebsräten der Volkswagen AG und der Porsche AG noch zu gründende Belegschafts-Stiftung erfolgen.

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